Letzte Woche landete eine interessante E-Mail in unserem Postfach. Ein Anbieter namens ***pilot.de bewarb sich bei uns als Referent für ein Seminar. Das Thema: „KI-Telefonassistent im Handwerk – keinen Anruf mehr verpassen, ohne technisches Know-how.“
In meinem letzten News-Beitrag habe ich ja bereits darüber geschrieben, wie sehr ich Künstliche Intelligenz schätze. Sie hilft mir beim Strukturieren von Gedanken, erklärt mir Smart-Home-Technik und hat sogar mir und meinem Neffen die Spielregeln von "Catan" beigebracht. KI ist fantastisch. Aber bei einer KI, die völlig automatisch die Anrufe Ihrer Kunden entgegennehmen soll? Da wurden wir bei Platzhirsche stutzig und haben als Ihre Digitalpartner im Handwerk mal genauer hinter die Kulissen geschaut.
Was wir dabei herausgefunden haben, hat uns ehrlich gesagt erschreckt – und wir möchten Sie davor warnen, bei solchen Angeboten vorschnell zuzugreifen.
Offensichtlich handelt es sich um zwei Brüder, einer davon Verkäufer in einem Autohaus, wie die Recherche ergab, die das große Geld wittern, indem sie KI-Leistungen einkaufen und teuer an Handwerksbetriebe, Anwälte und Ärzte (!) verkaufen wollen. Auf der Homepage kein Wort davon, wo die Daten verarbeitet werden, wie Sicherheit hergestellt werden kann, dafür markige Sprüche von immerwährender Erreichbarkeit. Gerade für Arztpraxen und Rechtsanwälte datenschutzrechtlich völlig irrsinnig - dessen scheinen sich die Anbieter aber nicht bewusst zu sein. Das haben wir gefunden:
1. Wer ist eigentlich am Apparat? (Das Impressum-Problem)
Ein seriöser Dienstleister, dem Sie die Telefonate Ihrer Kunden anvertrauen, sollte transparent sein. Bei unserem Test-Kandidaten (der aktuell unter dem Namen "***pilot" Kaltakquise betreibt) stießen wir auf massive Ungereimtheiten. Eine eingetragene GmbH oder UG sucht man im Handelsregister vergeblich. Die angegebene Adresse im Impressum entpuppte sich bei unserer Überprüfung als reiner Briefkasten-Service ("C/O-Adresse") in Sankt Augustin – ein Dienst, der genutzt wird, um die echte Adresse zu verschleiern. Wollen Sie diesem Setup die Daten Ihrer Kunden überlassen?
2. Die DSGVO-Falle am Telefon
Wenn ein Kunde bei Ihnen anruft und sagt: "Hallo, hier ist Müller, meine Heizung ist kaputt und ich habe Schimmel im Bad, meine Frau ist schon krank geworden deswegen", sind das sensible personenbezogene Daten. Ein KI-Assistent zeichnet diese Sprache auf, wandelt sie in Text um und sendet sie wahrscheinlich an amerikanische Großrechner (wie OpenAI).
Das Gesetz verlangt dafür zwingend einen wasserdichten Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) und höchste Sicherheitsstandards. Anbieter, die nicht einmal eine klare Rechtsform aufweisen, können Ihnen diese rechtliche Sicherheit unmöglich garantieren. Im schlimmsten Fall haften Sie als Handwerksbetrieb für Datenschutzverletzungen.
3. Amerikanische Technik in deutscher Tarnung
Oft verstecken sich hinter solchen verlockenden E-Mails keine eigenen Entwicklungen, sondern sogenannte "White-Label"-Lösungen. Das bedeutet: Billige US-amerikanische KI-Tools werden notdürftig ins Deutsche übersetzt und dem lokalen Handwerker als "Premium-Lösung" teuer verkauft. Wenn die KI dann den schwäbischen oder sächsischen Dialekt Ihres Kunden nicht versteht und auf Englisch antwortet, ist der Ärger vorprogrammiert.
Unser Platzhirsche-Fazit:
Wir sind große Fans von Künstlicher Intelligenz. Richtig eingesetzt, spart sie Zeit und Geld. Aber gerade bei der Kundenkommunikation gilt: Vertrauen Sie keinen Dienstleistern, die sich hinter Briefkästen verstecken und Sie unaufgefordert anschreiben. Digitalisierung im Handwerk braucht ein solides Fundament, echte Ansprechpartner und rechtliche Sicherheit. Allein der Umstand, dass der Anbieter hinter einer Briefkastenadresse versteckt zeigt, dass es wenig Bereitschaft gibt, offen für die eigene Unternehmung einzustehen. Vielleicht gibt es auch etwas zu verbergen? Im Falle von Ärger können Sie aber ziemlich sicher davon ausgehen, dass Sie mit dem Problem alleine sind.
Daraus haben wir einiges für Sie als Handwerker mitgenommen:
- Impressum checken: Bevor Sie auf eine E-Mail antworten, die Ihnen das Blaue vom Himmel verspricht, klicken Sie aufs Impressum. Keine Rechtsform? Eine Briefkastenadresse? Finger weg!
- Datenschutz ist Chef-Sache: Lassen Sie keine KI ans Telefon, ohne dass Ihnen der Anbieter klipp und klar (und vertraglich gesichert) sagen kann, wo die Server stehen und was mit den Stimmen Ihrer Kunden passiert. Wer auf seiner Homepage nicht schon vor dem Verkaufsgespräch klar den AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag) und seine TOMs (technische und organisatorischen Maßnahmen) mit Verschlüsselungsmaßnahmen, Firewalls, Serverstandorten, Passwortrichtlinien etc, offenlegt, scheint uns unseriös.
- Ergänzung statt blinder Aktionismus: Wie ein Hammer unsere Muskeln erweitert, soll KI unsere Arbeit erleichtern. Aber eine ungetestete Technik direkt auf Ihre treuen Kunden loszulassen, schadet oft mehr, als dass es Aufträge rettet.
- Auf bewährte Partner setzen: Sprechen Sie uns an, wenn Sie unsicher sind. Wir prüfen solche digitalen Angebote gerne für Sie.
Lassen Sie sich nicht von aggressiven Werbemails unter Druck setzen. Wenn Sie Ihre Erreichbarkeit verbessern wollen, finden wir gemeinsam eine Lösung, die rechtlich sicher ist und zu Ihrem Betrieb passt.
